Projekte für Menschen mit Autismus-Spektrum-Störung (ASS)

Autismus Soziale Kompetenzgruppe Gruppi
Autismus Berufliche Orientierung CompASSo
Autismus Wahrnehmungsschulung Sensi
Autismus Reintegration Schule Reggie

Sensi – Wahrnehmungsschulung

 

Die Wahrnehmung ist grundlegend dafür verantwortlich, wie sich ein Mensch in der Welt zurechtfindet. Menschen im Autismus-Spektrum nehmen anders wahr, als neurotypische Menschen. Es treten Besonderheiten in der Wahrnehmung auf, diese können sich individuell ausgeprägt auf verschiedene Sinnesorgane beziehen, dabei können sowohl Über- als auch Unterempfindlichkeiten auftreten.

Das Gehirn benötigt Sinnesreize um sich zu entwickeln. Bei Unterempfindlichkeit nehmen Menschen mit ASS wenige der Reize wahr, während bei Überempfindlichkeit zu viele wahrgenommen werden. Beide Extreme sind in den betreffenden Wahrnehmungsbereichen mit entsprechenden Besonderheiten verbunden.

 

Visuelle Wahrnehmung

Es können Blend- und Lichtempfindlichkeiten auftreten. Farbkontraste führen zu Irritationen. Eine Filterschwäche erschwert die Differenzierung von Wichtigen und Unwichtigen. Es kommt zu einer Überflutung von Eindrücken. Gegenstände oder Personen werden in ihrer Größe und Form „verzerrt“ wahrgenommen, was die Orientierung im Raum erschwert. Menschen mit ASS versuchen das wahrgenommene „Chaos“ selber zu sortieren, wobei Gegenstände nur in einer bestimmten Reihenfolge angeordnet werden. Durch die besondere visuelle Wahrnehmung reagieren Menschen mit einer ASS zum Teil unsicher, gestresst, aufnahme- oder handlungsunfähig.

 

Auditive Wahrnehmung

Geräusche werden unterschiedlich wahrgenommen, was dazu führen kann, dass einerseits Geräusche sehr laut empfunden, andererseits das Ohr an Lautsprecherboxen gehalten werden. Es besteht eine Filterschwäche, wobei wichtige Geräusche nicht von unwichtigen unterschieden werden. Auch werden Geräusche und Tonfrequenzen wahrgenommen, die für andere Menschen nicht hörbar sind. Innere Körpergeräusche wie Atem, Verdauung oder Herzschlag werden intensiv wahrgenommen. Hintergrundgeräusche erschweren den Fokus auf das Vordergründige.

 

Taktile Wahrnehmung

Menschen mit einer ASS können Auffälligkeiten im Bewegungsablauf, Muskelspannung und Berührungsempfinden aufzeigen, wobei dieses an unterschiedlichen Körperteilen unterschiedlich empfunden wird. Gleichzeitig können Ober- und Unterempfindlichkeiten auftreten. Alltägliche Abläufe wie Duschen, Ankleiden, etc. können unangenehm sein. Schmerz- und Berührungsempfinden können unterschiedlich stark oder schwach ausgeprägt sein. Eine zu hohe Muskelspannung führt z.B. zu Zehenspitzengang, eine zu geringe Muskelspannung zu schlaffen Bewegungsmustern wobei es zum Fallenlassen von Gegenständen kommt. Menschen mit ASS haben wenig räumliche Körperwahrnehmung, was alltägliche Handlungsabläufe erschwert. Eine veränderte Fußwahrnehmung führt zu Problemen auf unebenen Böden zu laufen. Durch eigenes Beißen oder Kratzen wird der eigene Körper wahrgenommen.

 

Olfaktorische- und gustatorische Wahrnehmung

Menschen mit ASS können über- oder weniger empfindlich sein beim Riechen und Schmecken. Auf Mund- und Körpergerüche, Seife, Parfüm, etc. wird mehr oder weniger stark reagiert. Der Kontakt zu Menschen mit intensiven Körpergerüchen wird abgelehnt. Es kann zum sozialen Rückzug kommen. Geruchs- und Geschmackserlebnisse werden unterschiedlich wahrgenommen, was zu Schwierigkeiten beim Essen führt. Ein Sättigungs- oder Durstgefühl kann reduziert sein.

 

Die Mitarbeiter der Heilpädagogischen Praxis Woche ermöglichen durch spezielle Aktivitäten die Wahrnehmungsschulung, die individuell auf den einzelnen Menschen mit ASS zugeschnitten ist, um Strategien zu entwickeln die besondere Wahrnehmung zu erkennen, verstehen und angemessen zu reagieren und zu kompensieren. Zusätzlich wird die Koordination verschiedener Wahrnehmungsbereiche gefördert.

Individuell wird auf die entsprechenden Sinne eingegangen und durch kleinschrittige Herangehensweise, unter Berücksichtigung der im Autismus-Spektrum behafteten, veränderten Wahrnehmung, regulierend ein ausgeglichenes Wahrnehmungssystem aufgebaut. Dieses Angebot wird zweimal wöchentlich durchgeführt.

Reggie“ – Reintegration Schule für Schüler

mit Asperger-Syndrom

 

Nach der UN- Behindertenrechtskonvention dürfen Vertragsstaaten, wie Deutschland, Schüler mit Autismus-Spektrum-Störungen auf Grund ihrer Behinderung nicht vom allgemeinen Bildungssystem ausschließen. Diese Schüler erhalten die Möglichkeit am unentgeltlichen Unterricht im Primar- und Sekundarbereich an staatlichen Schulen teilzunehmen.

 

Das Lern- und Leistungspotential von autistischen Schülern zeigt untereinander und zu anderen Schülern mehr oder weniger Unterschiede auf. Die Leistungsstärken variieren von Genialität, spezieller Begabung bis hin zur Lernschwäche oder kognitiven Beeinträchtigung. Die aktive Beteiligung am Unterricht wird bei Kindern und Jugendlichen mit Asperger-Syndrom beeinträchtigt durch:

 

- Missverständnisse bei der Aufgabenstellung

- Schwierigkeiten Lern- und Handlungsabläufe auszuführen

- Ablenkbarkeit

- Stereotypien

- eigene Spezialinteressen

- Schwierigkeiten zu kommunizieren und kooperieren

- Rückmeldungen, Probleme und Verbesserungsvorschläge werden nicht verstanden

- spezielle Gewohnheiten

- Schwierigkeiten bei Veränderungen

- eigene Vorstellungen

- veränderte Wahrnehmung

 

Diese Beeinträchtigungen können zu Veränderungen im Verhalten von Schülern mit Asperger-Syntrom auftreten, was in der Regel zu einer Belastung aller Beteiligten Personen in der Regelschule führt. Es kommt zu Schwierigkeiten im allgemeinen Schulablauf. Um ein gemeinsames Lernen und Arbeiten in der Schule zu ermöglichen bedarf es elementarer Voraussetzungen. Liegen diese elementaren Voraussetzungen nicht vor kann dieses zu einer Überforderung der Schüler mit Asperger-Syndrom führen, die im weiteren Verlauf in Schulabsentismus, Schulangst, unangepassten Verhalten und sozialen Rückzug enden.

Über das Projekt „Reggie“ wird die Reintegration in die Regelschule angebahnt. Diese andere, auf die einzelnen Schüler individuell zugeschnittene schulorientierte Betreuungsform ermöglicht den Schülern eine vorübergehende Aussetzung der Beschulung an ihrer Regelschule, um durch gezielte heilpädagogische Förderungen zu einem späteren Zeitpunkt an ihre Regelschule reintegriert zu werden.

Eine enge Zusammenarbeit mit Lehrern, Mitarbeitern von IQSH, Jugendamt, Förderzentrum und Eltern ermöglicht das Beibehalten des Lehrmaterials und die Orientierung sowie Anbindung an die Regelschule. Die Methoden und Aufbereitungen des vorliegenden Lehrmaterials wird nach vorheriger Absprache auf die einzelnen Schüler mit Asperger-Syndrom individuell angepasst unter bewährter strukturgebender Verfahren. Den Schülern mit Asperger-Syndrom wird ermöglicht eigene Strategien und Möglichkeiten zu entwickeln, sich mit den Anforderungen vertraut zu machen und darauf entsprechend ihrer Bedürfnisse und Bedarfe zu reagieren. Sie können sich durch individuelle Strukturhilfen mit dem Thema Schule neu auseinandersetzen und an eigenen Motivationen arbeiten um ihre Ressourcen besser kennenzulernen. Sie erarbeiten sich die elementaren Voraussetzungen durch kleinschrittige, individuelle Vorgehensweisen, um anschließend in ihrer Regelschule mit allen anderen Schülern beschult zu werden.

Um den Schülern mit Asperger-Syndrom individuell gerecht zu werden ist die Teilnehmerzahl begrenzt. Die Durchführung des Projektes orientiert sich an den Bedürfnissen und Bedarfen der Schüler mit Asperger-Syndrom. Ein Krisenpräventionsprogramm ist für entsprechende Fälle vorbereitet, eine Krisenintervention findet bei Bedarf sofort Anwendung. Auf aktuelle Entwicklungen kann unmittelbar organisatorisch, inhaltlich und räumlich reagiert werden. Die Schüler lernen Bewältigungsstrategien kennen, die sie auch in der Regelschule später einsetzen können. Die Mitarbeiter der Heilpädagogischen Praxis Woche gehen intensiv auf die Ursache der „Nichtbeschulbarkeit“ ein und erarbeiten Möglichkeiten und Wege einer Reintegration.

Die Dauer richtet sich nach den Entwicklungsfortschritten und wird individuell festgelegt. Die Reintegration wird durch die Mitarbeiter der Heilpädagogischen Praxis Woche anfänglich in der Regelschule begleitet und anschließend sukzessiv reduziert. Hierbei findet eine enge Zusammenarbeit mit Lehrern, IQSH, Förderzentrum, Schulbegleitern und Eltern statt. Treten Besonderheiten im Rahmen des Projektes auf, wird insbesondere mit den Eltern eine Überprüfung von Komorbiditäten und die Möglichkeiten einer psychologischen Abklärung und gegebenenfalls einer Therapie besprochen und bei Bedarf unterstützend angebahnt. Hier findet ebenfalls eine intensive Netzwerkbegleitung statt.

 

Das Projekt „Reggie“ findet von Montag bis Donnerstag jeweils über sechs Stunden statt.

Gruppi“ – Soziale Kompetenzgruppe

für alle Spektren des Autismus

 

Die Zugehörigkeit zu einer Gruppe ist ein universelles menschliches Bedürfnis. Bei jedem Menschen ist das Bedürfnis nach Zugehörigkeit eine angeborene und elementare Motivation positive, starke und stabile Bindungen zu knüpfen. Gruppen dienen den Menschen als Orientierung, anhand derer sie ihre eigene Wahrnehmung und Lebensrealität überprüfen können. Sie dienen der Entwicklung einer sozialen Identität und geben Sicherheit.

Der Erwerb emotionaler und sozialer Kompetenzen ist ein wesentlicher Bestandteil der menschlichen Entwicklung und für eine gelungene gesellschaftliche Partizipation unabdingbar. Gleichzeitig wirken diese Kompetenzen als Schutzfaktoren gegen Entwicklungsrisiken und psychische Probleme, wie zum Beispiel Depressionen und soziale Phobien.

In seiner Methode stellt die entwicklungsgemäße Gestaltung des Projekts besondere Anforderungen, nämlich die gemeinsame Förderung von Klienten mit unterschiedlichen Voraussetzungen hinsichtlich der mitgebrachten sozialen, emotionalen und kognitiven Kompetenzen. Eine besondere Beachtung erhalten die Aspekte der sozial-kognitiven Informationsverarbeitung, wie die Aufmerksamkeitslenkung, die Wahrnehmungsfähigkeiten, das Erkennen, Benennen und Verstehen von Gefühlen, das Analysieren sozialer Situationen und die Erweiterung situationsgerechter Handlungsstrategien.

Das Projekt „Gruppi“ bedient sich hierbei Methoden der erlebnispädagogischen Arbeit in Kleingruppensettings, um den Klienten vor bewältigbare, handlungsorientierte Herausforderungen zu stellen, die motivieren und Spaß machen und dabei auf natürliche, beiläufige Art und Weise das Gruppengefühl stärken und die Sozialkompetenz der Klienten fördern. Ziel ist es die Klienten in einem Gleichgewicht aus Anforderung und Rückzugsmöglichkeiten in ein soziales Lernen zu bringen. Dazu wird das Projekt „Gruppi“ engmaschig von den Mitarbeitern der Heilpädagogischen Praxis Woche begleitet, sodass der Personalschlüssel es zulässt individuell auf die Bedürfnisse oder auf spontane Krisen der Klienten zu reagieren. Dabei nehmen die Mitarbeiter eine wichtige Rolle in Bezug auf das Verhalten in Gruppen ein, indem sie den Klienten mit ihrem eigenen Verhalten eine Orientierung bieten. Sie zeigen wie Emotionen ausgedrückt werden, schaffen ein Klima, das einen offenen und toleranter Umgang mit Gefühlen fördert und unterstützen die Klienten dabei einen Perspektivwechsel vorzunehmen, um sich in Andere hineinzuversetzen. Wichtige Voraussetzung für einen Erfolg im Projekt „Gruppi“ ist daher ein gelungener, vertrauensvoller Beziehungsaufbau zu den begleitenden Mitarbeitern. 

 

 

Das soziale und emotionale Lernen im Projekt „Gruppi“ hat Zielsetzungen auf individueller Ebene,

sowie auf gemeinsamer Gruppen-Ebene:

 

Die Ziele auf der individuellen Klienten-Ebene richten sich auf:

• die Emotionskompetenz: die Erweiterung des Emotionswissens, des Emotionsaus drucks und der Emotionsregulationsfähigkeiten

• die soziale Kompetenz: den Erwerb eines erweiterten sozialen Handlungsrepertoires und sozialer Problemlösefähigkeiten.

• die Aufmerksamkeitslenkung auf wichtige soziale Hinweisreize

• die Wertevermittlung, nämlich den Wert von Freundschaften und Beziehungen, auch in der Gruppe höher zu bewerten.

 

Die Ziele auf Gruppen-Ebene umfassen:

• die Integration von Klienten mit weniger ausgeprägten emotionalen und sozialen Kompetenzen

• den Aufbau eines Gruppengefühls

• den Aufbau und Erhalt von Freundschaften innerhalb einer Gruppe

 

Die Gruppengröße im Projekt „Gruppi“ orientiert sich an den mitgebrachten Ressourcen der Klienten. Menschen mit schweren kognitiven Beeinträchtigungen werden ebenfalls in Gruppenerfahrungen gebracht, um auch ihnen eine Teilhabe an gesellschaftlichem Leben zu ermöglichen und sich als Teil einer Gruppe zu wahrzunehmen. Die Gruppen werden in Größe und Niveau der Interaktion, sowie Intensität der Begleitung durch die Mitarbeiter der Heilpädagogischen Praxis Woche individuell zusammengestellt.

 

Das Projekt „Gruppi“ findet einmal wöchentlich statt.

 

CompASSo“ – Berufliche Orientierung für 

Menschen mit Autismus

 

Das Projekt „CompASSo“ versteht sich als berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme und richtet sich an Menschen mit Autismus,

die am Arbeitsleben teilnehmen möchten und noch keine Berufsausbildung abgeschlossen haben. Die Mitarbeiter der Heilpädagogischen Praxis Woche bieten eine individuelle Beratung und Unterstützung an, um Stärken und Wünsche für die berufliche Ausbildung zu erfassen und gegebenenfalls Hilfen zu installieren, die eine Integration in Ausbildung und Arbeit ermöglichen.

Ziel dieses Projektes ist es, Menschen mit Autismus auf eine Ausbildung oder den Arbeitsmarkt vorzubereiten. Dazu erhalten sie Unterstützung bei der Tagesstrukturierung und ein breites Angebot von unterschiedlichen Tätigkeitsfeldern, in denen sie Neigungen, Talente und Ressourcen erkennen und erproben können. Dies dient dem Aufbau einer realistischen beruflichen Perspektive, welche als Basis für weitere Schritte in Richtung Berufsausbildung Erfolg verspricht.

 

Die Heilpädagogische Praxis Woche bietet in folgenden Berufsbereichen Orientierung und Vorbereitung durch fachkundiges und geschultes Personal an:

 

- Handwerk

- Dienstleistung

- Verwaltung

 

In diesen Bereichen werden unter heilpädagogischer Begleitung berufliche Grundfertigkeiten erlernt, soziale sowie kommunikative Kompetenzen eingeübt und gefestigt und Inhalte autismusspezifisch aufgearbeitet.  Anschließend erfolgt eine individuelle Berufswegplanung und Beratung mit Bewerbungstraining. Ergänzend bieten die Mitarbeiter der Heilpädagogische Praxis Woche Angebote zur Förderung der sozialen Integration an, zum Beispiel Unterstützung bei der Wohnungssuche an und optimieren gemeinsam mit dem Klienten die Tagesstruktur und Alltagsbewältigung.

 

Das Projekt „CompASSo“ findet von Montag bis Donnerstag jeweils über sechs Stunden statt.