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Projekte für Menschen mit Autismus-Spektrum-Störung (ASS)

Autismus Wahrnehmungsschulung Sensi
HPW 25-09 Praxis Konzept 2025_ORZ.png
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”Jede einzelne Person hat ihren eigenen Farbton und wird gebraucht, um den Regenbogen zu vervollständigen. Du bist einmalig. Du bist wichtig.“
(Stuart Duncan)

Sensi – Wahrnehmungsschulung

 

Die Wahrnehmung ist grundlegend dafür verantwortlich, wie sich ein Mensch in der Welt zurechtfindet. Menschen im Autismus-Spektrum nehmen anders wahr, als neurotypische Menschen. Es treten Besonderheiten in der Wahrnehmung auf, diese können sich individuell ausgeprägt auf verschiedene Sinnesorgane beziehen, dabei können sowohl Über- als auch Unterempfindlichkeiten auftreten.

Das Gehirn benötigt Sinnesreize um sich zu entwickeln. Bei Unterempfindlichkeit nehmen Menschen mit ASS wenige der Reize wahr, während bei Überempfindlichkeit zu viele wahrgenommen werden. Beide Extreme sind in den betreffenden Wahrnehmungsbereichen mit entsprechenden Besonderheiten verbunden.

 

Visuelle Wahrnehmung

Es können Blend- und Lichtempfindlichkeiten auftreten. Farbkontraste führen zu Irritationen. Eine Filterschwäche erschwert die Differenzierung von Wichtigen und Unwichtigen. Es kommt zu einer Überflutung von Eindrücken. Gegenstände oder Personen werden in ihrer Größe und Form „verzerrt“ wahrgenommen, was die Orientierung im Raum erschwert. Menschen mit ASS versuchen das wahrgenommene „Chaos“ selber zu sortieren, wobei Gegenstände nur in einer bestimmten Reihenfolge angeordnet werden. Durch die besondere visuelle Wahrnehmung reagieren Menschen mit einer ASS zum Teil unsicher, gestresst, aufnahme- oder handlungsunfähig.

 

Auditive Wahrnehmung

Geräusche werden unterschiedlich wahrgenommen, was dazu führen kann, dass einerseits Geräusche sehr laut empfunden, andererseits das Ohr an Lautsprecherboxen gehalten werden. Es besteht eine Filterschwäche, wobei wichtige Geräusche nicht von unwichtigen unterschieden werden. Auch werden Geräusche und Tonfrequenzen wahrgenommen, die für andere Menschen nicht hörbar sind. Innere Körpergeräusche wie Atem, Verdauung oder Herzschlag werden intensiv wahrgenommen. Hintergrundgeräusche erschweren den Fokus auf das Vordergründige.

 

Taktile Wahrnehmung

Menschen mit einer ASS können Auffälligkeiten im Bewegungsablauf, Muskelspannung und Berührungsempfinden aufzeigen, wobei dieses an unterschiedlichen Körperteilen unterschiedlich empfunden wird. Gleichzeitig können Ober- und Unterempfindlichkeiten auftreten. Alltägliche Abläufe wie Duschen, Ankleiden, etc. können unangenehm sein. Schmerz- und Berührungsempfinden können unterschiedlich stark oder schwach ausgeprägt sein. Eine zu hohe Muskelspannung führt z.B. zu Zehenspitzengang, eine zu geringe Muskelspannung zu schlaffen Bewegungsmustern wobei es zum Fallenlassen von Gegenständen kommt. Menschen mit ASS haben wenig räumliche Körperwahrnehmung, was alltägliche Handlungsabläufe erschwert. Eine veränderte Fußwahrnehmung führt zu Problemen auf unebenen Böden zu laufen. Durch eigenes Beißen oder Kratzen wird der eigene Körper wahrgenommen.

 

Olfaktorische- und gustatorische Wahrnehmung

Menschen mit ASS können über- oder weniger empfindlich sein beim Riechen und Schmecken. Auf Mund- und Körpergerüche, Seife, Parfüm, etc. wird mehr oder weniger stark reagiert. Der Kontakt zu Menschen mit intensiven Körpergerüchen wird abgelehnt. Es kann zum sozialen Rückzug kommen. Geruchs- und Geschmackserlebnisse werden unterschiedlich wahrgenommen, was zu Schwierigkeiten beim Essen führt. Ein Sättigungs- oder Durstgefühl kann reduziert sein.

 

Die Mitarbeiter der Heilpädagogischen Praxis Woche ermöglichen durch spezielle Aktivitäten die Wahrnehmungsschulung, die individuell auf den einzelnen Menschen mit ASS zugeschnitten ist, um Strategien zu entwickeln die besondere Wahrnehmung zu erkennen, verstehen und angemessen zu reagieren und zu kompensieren. Zusätzlich wird die Koordination verschiedener Wahrnehmungsbereiche gefördert.

Individuell wird auf die entsprechenden Sinne eingegangen und durch kleinschrittige Herangehensweise, unter Berücksichtigung der im Autismus-Spektrum behafteten, veränderten Wahrnehmung, regulierend ein ausgeglichenes Wahrnehmungssystem aufgebaut. Dieses Angebot wird zweimal wöchentlich durchgeführt.

Orz“ – Orientierung im Raum und Zeit

 


Räumliche und zeitliche Orientierung ist grundlegend dafür verantwortlich wie sich ein Mensch die Lebenswelt darstellt. Jeder Mensch hat eine Fähigkeit sich im Verhältnis zu seiner Umgebung und den Lauf der Zeit zu orientieren. Menschen im Autismus-Spektrum haben eine Besonderheit in der Orientierung. Diese ist individuell ausgeprägt und auf die Sinne wie Sehen, Höhren, sowie auf den Gleichgewichtssinn gestützt. Die Orientierung in Raum und Zeit umfasst das Einschätzen von Entfernungen und Richtungen. Auch die Abfolge von Ereignissen, Tageszeiten, Wochentagen, Monaten und Jahreszeiten sind für Menschen entscheidend. Menschen aus dem  Autismus-Spektrum zeigen Besonderheiten bezüglich einiger Handlungsabfolgen auf.

 

Orientierung im Raum


Durch Einschränkungen der Wahrnehmung kommt es zu Irritationen der Umgebungswahrnehmung. Es kommt zu psychischen Veränderungen, da Menschen aus dem Autismus-Spektrum nicht wissen wo sie sich befinden und wohin sie sich fortbewegensollen. Bestimmte Orientierungspunkte werden individuell unterschiedlich erkannt.

 

Zeitliche Orientierung


Menschen aus dem Autismus-Spektrum haben ein anderen Zeitgefühl. Ihre Fähigkeit Ereignisse in eine zeitliche Abfolge zu bringen ist individuell verändert. Auch gezielt auf einen gewissen Ort zuzugehen ist ein Bestandteil der Orientierung in Raum und Zeit. Das Erkennen von Tageszeiten, Wochentagen, Datum sowie Jahreszeiten wird von Menschen aus dem Autismus-Spektrum individuell erkannt. Diese Orientierung ist ein wichtiger Alltagsbestandteil und dient der Lebensqualität. Die Orientierung in Raum und Zeit ist eng verbunden mit der Sinneswahrnehmung.

Gruppi“ – Soziale Kompetenz

 


Die soziale Kompetenz und damit mit anderen Menschen in Kontakt zu kommen ist ein universelles Bedürfnis. Bei jedem Menschen ist das Bedürfnis nach Zugehörigkeit eine angeborene und elementare Motivation positive, starke und stabile Bindungen zu knüpfen. Gruppen dienen den Menschen als Orientierung, anhand derer sie ihre eigene Wahrnehmung und Lebensrealität überprüfen können. Sie dienen der Entwicklung einer sozialen Identität und geben Sicherheit.

 


Der Erwerb emotionaler und sozialer Kompetenzen ist ein wesentlicher Bestandteil der menschlichen Entwicklung und für eine gelungene gesellschaftliche Partizipation unabdingbar. Gleichzeitig wirken diese Kompetenzen als Schutzfaktoren gegen Entwicklungsrisiken und psychische Probleme, wie zum Beispiel Depressionen und soziale Phobien.


In seiner Methode stellt die entwicklungsgemäße Gestaltung des Projekts besondere Anforderungen, nämlich die gemeinsame Förderung von Klienten mit unterschiedlichen Voraussetzungen hinsichtlich der mitgebrachten sozialen, emotionalen und kognitiven Kompetenzen. Eine besondere Beachtung erhalten die Aspekte der sozial-kognitiven Informationsverarbeitung, wie die Aufmerksamkeitslenkung, die Wahrnehmungsfähigkeiten, das Erkennen, Benennen und Verstehen von Gefühlen, das Analysieren sozialer Situationen und die Erweiterung situationsgerechter Handlungsstrategien.


Das Projekt „Gruppi“ bedient sich hierbei Methoden der erlebnispädagogischen Arbeit, um den Klienten vor bewältigbare, handlungsorientierte Herausforderungen zu stellen, die motivieren und Spaß machen und dabei auf natürliche, beiläufige Art und Weise die soziale Kompetenz und Erfahrung mit anderen Menschen zu fördern. Ziel ist es die Klienten in einem Gleichgewicht aus Anforderung und Rückzugsmöglichkeiten in ein soziales Lernen zu bringen. In Bezug auf das Verhalten der Klienten mit ASS gebe ich durch mein eigenes Verhalten eine Orientierung . Ich zeige wie Emotionen ausgedrückt werden, schaffe ein Klima, das einen offenen und toleranten Umgang mit Gefühlen fördert und unterstütze die Klienten dabei einen Perspektivwechsel vorzunehmen, um sich in andere hineinzuversetzen. Wichtige Voraussetzung für einen Erfolg im Projekt „Gruppi“ ist ein gelungener, vertrauensvoller Beziehungsaufbau. Das soziale und emotionale Lernen im Projekt Gruppi hat Zielsetzungen auf Einzel-, sowie auf Gruppen-Ebene.

 

Die Ziele auf der individuellen Klienten-Ebene richten sich auf:

 

  • Die Emotionskompetenz: die Erweiterung des Emotionswissens, des Emotionsausdrucks und der Emotionsregulationsfähigkeiten

  • Die soziale Kompetenz: den Erwerb eines erweiterten sozialen Handlungsrepertoires und sozialer Problemlösefähigkeiten.

  • Die Aufmerksamkeitslenkung auf wichtige soziale Hinweisreize die Wertevermittlung, nämlich den Wert von Freundschaften und Beziehungen, auch in der Gruppe höher zu bewerten.

 

Die Ziele auf Gruppen-Ebene umfassen:

 

  • Die Integration von Klienten mit weniger ausgeprägten emotionalen und sozialen Kompetenzen

  • Den Aufbau eines Gruppengefühls

  • Den Aufbau und Erhalt von Freundschaften

 


Sollte eine Gruppe im Projekt Gruppi gegründet werden, orientiert sich diese an den mitgebrachten Ressourcen der Klienten. Die mögliche Erlangung von sozialer Kompetenz ermöglicht den Klienten die Teilhabe und Partizipation in der Gesellschaft.

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Gruppi
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